die entdeckung europas  //  guillermo luna y meléndez

MALEREI

 

Ausstellung 12. Juni bis 10. Juli 2018 im

Bürgerbüro Helin Evrim Sommer, MdB

Reisstraße 21, 13629 Berlin-Spandau (Siemensstadt)

Die offizielle Geschichte der Amerikas wurde unter dem Gesichtspunkt des sich ausweitenden kapitalistischen Handels geschrieben. Aus diesem Blickwindel war Europa das Zentrum und das Christentum die einzige Wahrheit. Bedauerlicherweise sah die Realität anders aus. Die wahre Geschichte, verboten, verbrannt, geleugnet, lässt neben dem Schrecken und dem Grauen auch die Bewunderung der Christen durchblicken für diese ihnen bis dahin unbekannten Menschen, die das Europa der Inquisition entdeckte. Auch heutzutage setzt sich diese Eroberung fort. Die „INDIANER“ büßen weiterhin ihre gesellschaftlichen Sünden, Freiheiten und andere Widerborstigkeit aus. Die reinigenden Mission der Zivilisation verbirgt heute weder den Raub des Goldes und auch nicht des Silbers und hinter den Fahnen des Fortschritts stoßen die Legionen moderner Piraten vor, ohne Eisenklauen und Augenklappen, und Holzbeine, sind es heutzutage die großen multinationalen Unternehmen, die sich auf das Uran, Petroleum, Nickel und Magnesium stürzen. Die „INDIOS“ leiden weiterhin auf ihrem kargen Land, die Technologie hat jedoch darunter fruchtbaren Boden entdeckt.

Guillermo Luna y Meléndez arbeitet diese Thematik mehrschichtig auf: zum einen basiert seine Malerei erkennbar auf den formalen Gestaltungsformen der Bevölkerung Mittelamerikas. Ebenfalls übernimmt er die Erzählform, modifiziert die Geschichten aus der Zeit der Ankunft der Eroberer in die Jetztzeit. Formal und inhaltlich bringt er zusätzlich Techniken europäischer Malschulen und Informationen aus Europa ein und schafft so eine Erzählperspektive aus der Sicht der indigenen Einwohner mit den Augen eines Mittelamerikaners mit europäischen Vorfahren. Die „Entdeckung Europas“ findet dadurch nicht durch die Reise der Entdecker Europas statt sondern durch das willkürliche Handeln der Machthaber, die sich ihrerseits „Entdecker“ nennen, in Wahrheit Eroberer sind.

Es war ein politisches Aufeinandertreffen einander Unbekannter, ein Aufeinandertreffen von Machtverhältnissen und Macht unterschiedlicher Brutalität bei dem Durchsetzen der Interessen ihrer Herrschenden.

 

Guillermo Luna y Meléndez im Gespräch mit Sahra Wagenknecht

 

 

Guillermo Luna y Meléndez stammt aus San Salvador (El Salvador/ Mittelamerika), studierte Malerei und Konzertgitarre in Mittel- und Südamerika und Spanien. Er lebt in Berlin-Wilmersdorf und arbeitet als Maler und Konzert-Gitarrist (überwiegend mittel- und südamerikanische Klassik).

Als politisch engagierter Künstler arbeitet Meléndez formal mit den Formen und Farben der traditionellen mittelamerikanischen Malerei und ergänzt diese mit Elementen europäischer Malerschulen. Im Bildzyklus "Die Entdeckung Europas" bearbeitet Guillermo Luna y Meléndez die Wahrnehmung und die Empfindung der Ursprungsbevölkerung Mittelamerikas hinsichtlich der Eroberung ihrer Gebiete durch die Europäer und die dadurch geprägte Sicht auf Europa.

 

 

Die Ausstellung:

 

Bild 1 El Descubrimiento de Europa

Die Entdeckung Europas

Die Einwohner Mittelamerikas lernen Europäer als Eroberer, kriegerische Plünderer, Unterdrücker aber auch Erforscher ihres Landes, von Sitten und Gebräuchen kennen. Und sie entdecken ein widersprüchliches Europa. 

Bild 2 El primer Satélite Sudamerica (Venezuela)

Der erste Satellit Südamerikas (Venezuela) 

Im traditionellen Ritus feiern Menschen technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt, dargestellt an dem Satelliten „Simon Bolívar“ den Venezuela 2008 ins All schoss, von Präsident Chávez als ein „Akt der Befreiung und Unabhängigkeit“ bezeichnet.

Bild 3 Los tres Caravelas del Cristobal Colón 

Die drei Karavellen des Christoph Kolumbus

Santa Maria als moderner Zerstörer, Niña und Pinta als moderne Fregatten dargestellt, lösen einen Tsunami aus, der die Reichtümer des Kontinents, Früchte, Bodenschätze, Öl zu verschlingen droht.

Bild 4 La Lucha de Liberación de un Continente / El Dolor De Nacer

Der Befreiungskampf eines Kontinentes / Der Schmerz der Geburt

Das Bild zeigt Szenen von Aufständen und Unterdrückung der vergangenen Jahrhunderte und gleichzeitig die schmerzliche Geburt eines unabhängigen Staates,

Bild 5 Los Miedos del Mundo

Die Ängste der Welt

Dieses Bild deutlich jüngeren Datums verwendet andere Stilmittel und Maltechniken (Kratztechniken zum Einbezug des Einfall-Lichts) als die anderen Bilder der Ausstellung. Die dargestellten Ängste sind nicht mythisch sondern modern und real.

Bild 6 El Huevo del Cristobal Colón

Das Ei des Kolumbus

Es soll aus Porzellan gewesen sein, das Ei des Kolumbus und tatsächlich aus Asien stammen. Der Maler bringt als weiteres Stilmittel ein verfremdetes Zitat der Altarflügelbilder flämischer Malerschulen ein. Die Reihe von Soldaten, unterbrochen von einem Priester mit Mobiltelefon überbrückt Vergangenheit und Zukunft bis zum „Janus“ Kolumbus.

Bild 7 Suenan les Tambores

Der Trommeln ertönen

„Cantos de Siempre“, „Lieder für Immer“, häufig rituell geprägte Melodien, die beim Zuhörer tiefe emotionale Bindungen hervorrufen. Dargestellt sind Musiker mit Flöten einem zur Trommel umfunktionierten Ölfass – Hinweise auf die Ziele der „Cantos de Siempre“.

Bild 8

DIE EROBERUNG: Hernán Cortéz begegnet Malinche

Die Gechichtsschreibung berichtet, dass Malinche oder Malintzin als Tochter eines reichen Mexikaners geboren wurde, der starb, als Malinche noch ein kleines Mädchen war. Ihre Mutter heiratete erneut, der Stiefvater behandelte Malinche schlecht. Das ging so weit, dass er sie verkaufte, um sich ihrer zu entledigen. Er benutzte die Identität einer Dienstmagd, die kurz zuvor gestorben war, und so verkaufte er die Stieftochter an Händler von der Küste, die sie wiederum als Sklavin nach Xicolanco im Staate Tabasco in Mexiko weiter verkauften. Dort hielt sie sich bis zum Jahr 1519 auf, als Hernán Cortéz nach Mexico kam.

Sie wurde Hernán Cortéz als Geschenk angeboten, der nicht zögerte sie für sich zu nutzen, als er von ihren Sprachkenntnissen der Maya und Azteken erfuhr, was ihm dabei helfen konnte, Widerständler zu unterwerfen. Um sie sich zu sichern, schwängerte er sie und sie gebar ihm einen Sohn, genannt Don Martin Cortéz. Er gilt gemeinhin als der erste Mestize in Mexiko. Als Dona Catalina von den Ausschweifungen ihres Gemahls erfuhr, reiste sie von Kuba nach Mexiko. Cortéz erfuhr davon und ohne Zeit zu verschwenden gab er Malinche seinem Capitano Juan de Jaramillo, der sie heiratete. Sie wurde danach Dona Marina genannt. Mit ihr kehrte Juan de Jaramillo nach Jahren nach Spanien zurück, wo sie an einem unbekannten Ort verstarb. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt. (Guillermo Luna y Meléndez)


 

Das Gemälde Cortéz entrega a Juan de Jaramillo la Mano de Malinche / Hernán Cortéz übergibt Malinche an Juan de Jaramillo zur Heirat zeigt Malinche in einer duplizierten Situation auf dem Sklavenmarkt und bei der Übergabe von Cortéz an de Jaramillo.

 

 

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